Dienstag, 3. November 2009

Kuck mal, der Mann hat voll viel Bart!

Ich glaube Kinder, sind die einzigen die souverän den urbanen U-Bahnverhaltenscodex brechen dürfen.



Letztens, beim Umsteigen am Alex, ging ich neben einem kleinen Mädchen (geschätzte drei), die neben ihrem Vater an der Hand ging. Plötzlich ergriff sie mitten auf der Treppe, mit einer entwaffnenden Selbstverständlichkeit, meine Hand. Nachdem ich sie, zusammen mit ihrem Vater, sicher die Treppe hinuntergeleitet hatte, ließ sie erst los, als ich sie eindringlich freundlich darum bitten musste.

Heute dann, auf dem Weg von Dahlem zum Heidelberger Platz, saß mir gegenüber ein ähnlichaltriger Junge. Sein Vater, sichtlich bemüht die Lautstärke der Kommentare, die sein Junius durch die Bahn plärrte, zu dämmen, wirkte irgendwie latent unsouverän. Sein Sohn hingegen, souverän und viel zu offensiv um ihm böse zu sein, zeigte mit nacktem Finger auf mich und sagte "Kuck mal, der Mann hat voll viel Bart!". Ich quittierte lächelnd... Der Monolog des jungen Mannes ging weiter. "Warum hat der so viel Bart, Papa?" Papa war sichtlich peinlich berührt, ich eher amüsiert.. Leider musste ich jäh aussteigen. Aber die Freuden und Leiden des Barttragens wird er ohnehin irgendwann durchmachen...



Während die Erwachsenen durchgehend der Distanzlosigkeit ihrer Kinder ausgeliefert waren und sie zu vertuschen suchten, zeigt sich, dass solche Aktionen von Kindern und ihre Empathiebonuspunkte singulär belächelbare Momente bleiben.

Oder?


1 Kommentar:

  1. Das erinnert mich an meinen Zivildienst. Ein geistig behinderter, aber doch sehr pfiffiger Teenager grabbelte zuerst dem Karl-Marx-Verschnitt von Pädagogen im Bart rum und lief dann auf mich zu.
    "Du hast aber keinen Bart!"
    "Ja... Das hast du gut beobachtet."
    "Dir fehlt ein Enzym."
    "Wtf."

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