Freitag, 30. Oktober 2009

Du machst was mit Gender? Ich dachte, das machen nur Frauen...
Letztens meinte ein Kommillitone genau das zu mir.


Das hat mich dazu gebracht, die Artikulationsnotwendigkeit von (queerer) Kritik zu überdenken.

Klar, sind es viele Frauen die sich mit gender-Diskursen auseinandersetzen. Es sind wohl auch ebenso mehrheitlich Menschen, mit einem entsprechenden Identitätsmuster, die sich augenscheinlich für so etwas wie queere Kritik begeistern werden können. Aber zum einen, nicht nur; und zum anderen: wer wie die Made im Speck lebt, braucht sich nicht umsehen.
Die Begünstigten patriarchaler Hegemonialstrukturen sind mit Sicherheit nicht die quantitativ vehementesten Verfechter post-identitärer Ansätze. Und wer sich letztlich in einer kuscheligen Nische befindet, muss aus dieser aucht nicht zwingend ausbrechen. Homonormativität, als Schlagwort für Homomaden im fauligen Heterospeck, agiert da aber nicht anders.
Von wo, wenn nicht von außen, soll Kritik kommen? Objektive Ansprüche bedingen einer gewissen Vogelperspektive um überhaupt artikulierbar zu werden. Gleichzeitig heißt eine Kritik von Außen nicht gleichzeitig eine komplette Entfernung aus einer wie auch immer implizierten "mittigen" Position. Kritik und Reflexion als intellektuelles perpetuum mobile sind der Spagat zwischen diversen Mitten- und Außenpositionen, bei gleichzeitiger latenter Selbstreflexion. Das hat nichts mit Wilkür zu tun, sondern vielmehr mit Identitätsentwürfen die nicht mehr in Kategorien arbeiten, sondern mit multidimensionaler Individualität.

Die Notwendigkeit von Revision ist durch die Progression post-identitätätsstiftender Verfahren gegeben. Genau diese Verfahren erlauben es, Selbstbewusstsein zu entwickeln, das sich nicht mehr aus den hegemonialdurchtränkten Bausteinen gesellschaftlicher Rollen samt ihrer negativen, d.h. unangebrachten oder hinderlichen Aspekte, befreit und die unfreiwillige Selbstbeschränkung mittels Diskriminierungspraxen entschärft.
Sind aber die Prämissen falsch, unter denen Kritik sich generiert, kippt auch diese. Und genau dieses Kippen ist der dekonstruktivistische Tropfen, der stetig den harten Brocken Bourgeoisie aushöhlt.

Letztlich kann eine Gesellschaftskritik, die Normativismen wegen ihrer negativen Auswirkungen auf Idenitäten anmahnt, für alle nur zu aller Vorteil sein.

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