Ich habe mir in den letzten Tagen den Kopf über queeres Lesen zerbrochen.
Ausgehend von einem queeren Lese- und Interpretationskonzept von Literatur, vor allem der kanonisierten, gibt es viel antiheteronormative und genderdekonstruierende Lesweisen. Heternormativität und die dichotomen Beziehungen von Geschlechter(n) im laufe ihrer performativen Herstellung in einem Text den dogmatischen Teppich unter den Füßen wegzuziehen ist eine Möglichkeit.
Erschöpft sich queeres Lesen aber schon bei der Aufdeckung von Deutungspotenzen, die entgegen der Heteronormativität laufen? Ich denke da geht mehr.
Wenn man queer auch pluralistisch und postidentitär* denkt, warum das nicht auch in eine Literaturanalyse einbinden? So wie die heterosexuelle Ordnung sich niemals fehlerfrei fortschreibt, so ist anzunehmen, dass auch ein dogmatischer Zwang zu stabilen Identitätskategorien im Generellen auf lange Sicht nicht ohne Widersprüche herzustellen ist.
Das würde bedeuten, dass ein Text mittels einer queeren Analyse gleichzeitig auf angelegte oder "versehentlich" (also ex negativo) antiheteronormative, -identitäre, -dichotome, -etc. abgeklopft werden kann. Ein netter Rundumschlag.
Mir ist klar, dass nicht jeder Text gleich viel Potenzial für einen derartigen Ansatz bietet, aber ich glaube auch nicht, dass postidentitäre Lesweisen einen Text entstellen oder verbiegen müssen. Genau das gilt es ja eigentlich zu vermeiden.
Ich sollte das mal an einem Beispiel durchexerzieren... hm.
* Ich plädiere implizit für eine undogmatische, strategisch-kategorisierende Identitätspolitik. Die Definitionsmacht liegt letztlich bei dir.
Mittwoch, 9. Dezember 2009
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