Montag, 5. Oktober 2009

post Kiez und modische Gretchenfrage

Habe heute die Kiez-Grenzen mit einer kleinen Erkundungstour offiziell gesprengt.


Erste Station war ein kleiner, toller Buchladen in Kreuzberg (b-books), wo sich gleich zwei meiner Leidenschaften zwischen Buchdeckeln präsentierten und in mein Bücherregal verirren mussten. Zum einen der Band Mehr(wert) queer - Visuelle Kultur, Kunst und Gender-Politiken und ein Mega-Schinken von Dietmar Dath, der mich durch seine Abschaffung der Arten absolut in Beschlag genommen hat, nämlich Für immer in Honig. Ich bin gespannt.
Aber zunächst geht es mit der U-Bahnlektüre quer durch das expressionistische Drama.

Die nächste Station war ein Bummel durch die Ecke Kastanienallee/Oderbergerstraße.
Zwischen den ganzen Eltern, traf mich dann die Erkenntnis: modischer Avantgardismus funktioniert leider doch nur hipsterkonform in der Gruppe. Wenn man nämlich nicht meisterlich mit seiner Nähmaschine umzugehen weiß, dann ist man an den Ausstoß der Labels gebunden - egal wie klein. Egal, Konformismus hin oder her - die neuen Hosenschnitte sind (nicht nur endlich kaufbar sondern auch) wirklich wirklich toll und ich muss mir endlich eine dieser Humörhosen zulegen... Die Zara-Haremshose, die zwar einen ähnlichen Schnitt hat, ist leider zu sommerlich, als dass man die ernsthaft ohne lange Unterhose im Winter tragen könnte. (Bizarrerweise muss man(n) sich erst in der Frauenabteilung bedienen um dann eine Saison später quasi exklusiv von einem kleinen dänischen Label bedient zu werden.)

Überhaupt, diesen ganzen Indivudualitätsscheiß rigoros durchzuziehen ist der falsche Ansatz, finde ich. Gerade im durchdachten Detail steckt nämlich der personalisierte Funke.

Die Moral von der Geschicht: trag was du willst, aber trag es mit Stolz.

1 Kommentar:

  1. Habe letztens beim Ausmisten meines Saarburger Zimmers lauter alte HÜs von mir gefunden, in denen zwar gruseliger prä-Radikalisierungs-Pragmatismus zu finden ist, aber auch ein Pamphlet gegen Schuluniformen, in denen in rudimentären Zügen die These zu finden ist, dass Freiheit sich auch gut und gerne durch das sich Freifühlen allein definieren kann. Die Auswahl aus dem Kleidungsspektrum ist natürlich abhängig von dem was produziert wird, aber die gesamte Kultur ist letztlich abhängig von dem, was in der rohen Natur zur Verfügung gestellt wird und so per se begrenzt. Letztlich bist du zwar der Konsument so lange du nicht selbst produzierst, aber evtl. ein kreativer. Man kann sich auch ausdrücken, indem man bestimmte Dinge kauft, so kurios das (gerade von einer Marxistin) klingt. Ist halt Konsumdialektik, wenn du so willst.^^ Das heißt aber natürlich nicht, dass wir uns deswegen im Kapitalismus einrichten sollen!!!!!!!!!!!!!!!!!!! (als wären so viele Ausrufezeichen bei dir nötig^^)

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